Hula – der Herzschlag des hawaiischen Volks

Hula, Lehua und NoëlleHula – der Herzschlag des hawaiischen Volks

Der hawaiische Tanz Hula ist in Form und Inhalt ein Gebet, um mit den Göttern in Verbindung zu treten. Unser Lehrer Kumu Keala Ching bezeichnet ihn zudem als eine „Healing Art“, als ein spiritueller Weg zu uns selbst. Basis des Tanzes ist Individualität in der Gemeinsamkeit. Während die Musik die Tanzenden als eine einzige Welle erfasst, drückt jede Person ihr eigenstes, innerstes Empfinden aus. Die Weichheit der Bewegungen wird in der Gemeinsamkeit zur Stärke. Hula ist ein ebenso anmutiger wie einzigartiger und faszinierender Tanz mit dem Ziel, das innere Gleichgewicht zu finden.


Hula - der Tanz

Das Besondere des Hula liegt in den Einzelbewegungen von Händen, Hüften und Füssen und in deren Zusammenspiel. Zu kontrollieren sind die unterschiedlichen Tanzachsen des Körpers, und alle Achsen des Körpers sind in Gleichgewicht und in Harmonie zu bringen. Im Hula sollen die Tänzerinnen und Tänzer Hawai’is auf der geistig-seelischen Ebene Eins zu werden mit oben und unten, innen und aussen und mit den Symbolen für die in Hawai’i so majestätisch zu bewundernden Elementen Wasser, Wind, Feuer, Erde. Der Tanz drückt tiefe Liebe aus zur Natur und zur Schöpfung. Er ist weit mehr als ein Tanz; er ist Lebenshaltung und –art.

Hula wird durch das Zusammenspiel mit den Musizierenden und Singenden bereichert. Eine einzige Welle der Bewegung soll durch die Gruppe fliessen, so dass alle gleich sind und jede Person gleichwohl ihr eigenes inneres Empfinden dabei ausdrücken kann. Wenn es gelingt, die perfekte Balance zu wahren, ruhig im Oberkörper zu bleiben und die Bewegung einzig aus der Hüfte und den Beinen entstehen zu lassen, entsteht ein Bild harmonischen Fliessens bei völliger Zentriertheit. Dies macht den Hula einzigartig. Ihn zu erlernen erfordert eine in Hawaii auch sehr ausgeprägte Tugend, nämlich Geduld.

Der Begriff „Hula“ besteht aus den 2 Silben „Hu" und „La." Die Silbe „Hu" wird verwendet, um Vermehrung auszudrücken. „La" bedeutet auf hawai'isch Sonne, auch also inneres Feuer, das durch den Tanz, genährt und gestärkt werden soll.


Wirkung auf Körper, Seele und Geist

Die häufig gegenläufigen Bewegungen regen die rechte und die linke Hirnhälfte gleichermassen an. Damit unterstützt Hula die Koordinationsfähigkeit. Wichtig ist auch die Schulung der Körperhaltung, was auch mehr Präsenz, Achtsamkeit und Bewusstsein in der Lebenshaltung bringt. Hula fördert Beweglichkeit in Körper, Fühlen und Denken und weitet den Geist. Die Hüftbewegungen regen die Durchblutung an des gesamten Beckenraumes und stimulieren und harmonisieren die inneren Organe. Die Muskulatur wird weich und geschmeidig, das Herz-Kreislaufsystem angeregt. Hula tanzen weckt die Lebensfreude, bringt Sonne in das Leben und stärkt das Vertrauen.

In den Liedern sind mehrschichtige, oft spirituelle Bedeutungen enthalten, die beim Tanzen nachgespürt werden können und eine heilsame, inspirierende Wirkung auf Körper, Geist und Seele entfalten.


Geschichte

In Hawai'i haben Männer und Frauen seit Urzeiten getanzt. Getanzt wurde traditionellerweise anlässlich der Geburt von Häuptlingen, bei Namensgebungen, beim Geburtstag erstgeborener Kinder und zu Ehren Verstorbener. In rituellen Tänze wurde überdies um Regen ersucht, um Fruchtbarkeit und um reiche Ernte. Verschiedene gesellschaftliche Gruppen pflegten ihre eigenen Tänze. Bauern tanzten ihren Tanz am Morgen, bevor sie auf die Felder gingen. Der rituelle Hula wurde von besonders ausgebildeten Tänzerinnen und Tänzer getanzt, für die Hula Beruf und Berufung war. Das waren dann oft auch die heiligen Tänze, zu denen nicht alle Zugang hatten.

Es gibt unzählige Formen: den stehenden Tanz, den sitzenden Tanz „noho", den stampfenden Tanz „Hula ku'i", Tänze zu Trommelmusik „Hula pahu", Hula Ipu, Hula Pele, den Fruchtbarkeitstanz „Hula Ma'i" oder Tänze in Bezug auf Tiere wie „Hula mano" Haifischtanz und „, Hula honu" Schildkrötentanz. Auch verschiedene Stile werden getanzt und Schrittarten. Ihnen gemein sind Grundregeln wie dass bloss in gebeugten Knien getanzt wird und dass die Augen den Bewegungen der Hände folgen.

Das Volk Hawai'is kannte bis ca. 1820 unserer Zeitrechnung keine geschriebene Sprache. Gesänge und Tänze dienten der Vermittlung von Wissen, Geschichte und Erfahrung an die nächste Generation. Hula war das wichtigste Element zum Erhalt der hawaiischen Kultur. So wurde in jeder Familie jemand ausgewählt, den Tanz zu erlernen und weiter zu geben. Ebenso wurde ein Familienmitglied in der Kunst des Singens und Memorierens geschult.

Die christlichen Missionare erreichten Hawai'i ab dem Jahr 1820. Sie verstanden nicht den Wahine Nwiotieferen Sinn des Hula, empfanden ihn als unsittlich und gefährlich und verboten ihn. Nach 1870 hat König Kālākaua den Hula wieder erlaubt, weswegen er in vielen Tänzen und Liedern verehrt wird. Noch heute, oder: heute wieder finden auf Hawai’i zahlreiche Zusammenkünfte statt, bei denen Hula im Zentrum steht. Kinder lernen wieder die hawai'ische Sprache in der Schule, womit sie die Texte des Hula verstehen und die Inhalte im Tanz auszudrücken können. Die Kinder erleben ihre Kultur am eigenen Leib und lernen, sie zu bewahren. Leider ging durch zahlreiche Verbote viel hawaiisches Kulturgut verloren, doch besonders junge Leute setzen sich heute für den Erhalt ein.


Musikinstrumente

Tanzt man den alten Hulastil „kahiko" werden Naturinstrumente eingesetzt wie die Trommeln „ pahu" und „ puniu" sowie Kalebassen „ipu" und „ ipu heke", die von den Musizierenden gespielt werden zur Begleitung der Tänzerinnen und Tänzer. Daneben bestehen Rasseln, Steine, Bambusrohre, -flöten und Muscheln, die von den Tanzenden selbst während des Tanzens eingesetzt werden. Im modernen Stil - „'auana" - werden alle möglichen Instrumente gespielt wie etwa Klavier, Handorgel und sogar Dudelsack. Typisch sind Ukulele, Steelgitarre und Bass, die mit den Einwanderern ihren Platz auf Hawai'i gefunden haben.


Kleidung

Ursprünglich trugen Männer wie Frauen einen kurzen Rock („ pā'ū") um die Hüfte oder ein Tuch, das über die Schulter gebunden und geknotet wurde. Um die Fußknöchel und Handgelenke bindet man Schmuck aus Knochen, Muscheln, Nüssen und Farnen „kupe'e". Den Blumenschmuck wird um den Hals und auf dem Kopf getragen. Die Pflanzen werden dem Tanz entsprechend gesammelt und mit rituellen Zeremonien zu Blumenkränzen, den „lei", verarbeitet. Diese Kunst des Lei-Herstellens gehört zu jedem Hulastudium. Nach dem Tanzen wird der Blumenschmuck der Erde oder dem Wasser mit Dank zurückgegeben. Das Material, das früher für Pā'ū verwendet wurde, Tapa, wird heute auf Hawai'i nur noch selten hergestellt, heute trägt man Stoffröcke. Deren Farben spielen dabei eine wichtige Rolle: sie können einzelnen Inseln zugeordnet sein, und einige Schulen verwenden dann hauptsächlich die Farbe ihrer Herkunftsinsel. Andere verwenden Motive, die die Herkunft des Lehrenden repräsentieren oder Blumenmuster. Je nachdem, aus welcher Epoche die Musik oder das Lied stammt, zu dem getanzt wird, muss auch die Kleidung mit dieser Zeit übereinstimmen. Das ist vor allem bei Wettbewerben ein wichtiges Kriterium. Mit dem Eintreffen der Missionare mussten die Hawai’ier sich den Kleidergewohnheiten dieser Personen anpassen. Heute erinnert man sich wieder an die alten Traditionen, und es ist nicht mehr verboten, die alten Tanzweisen in traditioneller Bekleidung vorzuführen; so sieht man auch wieder mehr nackte Haut, wobei die Hüften mit Stoff bedeckt sind oder mit Blätterröcken. Lei werden auch heute getragen.


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