Porträt „Hula is life“

06. Juli 2019

Hula, der traditionelle hawaiische Tanz, ist weit mehr als nur das Hobby von Harumi Holly Wheeler-Kasai: Es ist ihre Lebensphilosophie, dank der sie ausgeglichen und voller Energie ist – auch im Job.

Exotischer könnte die Kombination nicht sein: Harumi Holly Wheeler-Kasai stammt ursprünglich aus Japan, lebt seit über 30 Jahren in der Schweiz und ist seit ihrer Kindheit in Japan mit Hawaii verbunden. Denn Hawaii und Japan sind historisch und kulturell verbunden. Zudem ist Hawaii für Japaner der beliebte Ferienort schlechthin, wie die Ferieninsel Mallorca für die Deutschen.

Seltene traditionelle Version

Dank der Verbundenheit mit Hawaii geht Harumi, die im Alltag als Holly bekannt ist, seit zweieinhalb Jahren in ihrer Freizeit dem Hula nach. «Per Zufall habe ich einen Auftritt meiner heutigen Hula-Schule gesehen und mit Erstaunen festgestellt, dass sie den Tanz auf traditionelle Weise praktizieren, wie man es auch nur selten auf Hawaii selbst sieht», sagt sie, die bei Zurich als Executive Assistant von Alison Martin, Group Chief Risk Officer, tätig ist. «Der hawaiische Tanz, den man aus Filmen oder von Touristenorten kennt, ist eine moderne Version des Hula und meist eine Mischung von verschiedenen polynesischen Tanzarten.» Beim Auftritt ihrer Schule sei aber der traditionelle «Kahiko» gezeigt worden, der nur in vereinzelten Schulen unterrichtet werde. Nach dem Auftritt sei sie rasch mit Noëlle Delaquis, Hula-Lehrerin und so genannte «Kumu», ins Gespräch gekommen. Und schon nach zwei Wochen nahm Holly an der ersten Unterrichtsstunde der Schule AlohaSpirit in Meilen teil.

Körper und Seele im Einklang

«Hula ist so viel mehr als ein reiner Tanz. Ihm wird eine heilende Wirkung zugeschrieben», erklärt Holly. Er sei eine lebensbejahende positive Lebenshaltung, die sich durch Leichtigkeit und ein liebevolles Miteinander voller Respekt und Achtsamkeit zeigt. Dank des Hula verbessern die Tänzer ihre Körperhaltung, Motorik sowie Konzentrationsfähigkeit und bringen so den ganzen Körper mit ihrer Seele in Einklang. «Mittlerweile ist Hula meine Lebenseinstellung, dank der mich im Alltag nichts mehr so leicht aus der Ruhe bringt. Ich bin viel ausgeglichener und kenne keinen Stress mehr.» Ergebe sich irgendwo ein Problem, sehe sie es nicht als solches an. «Es gibt für jede Situation einen Weg und eine Lösung.» Und diese Einstellung helfe ihr besonders auch im Arbeitsalltag bei Zurich. «Hula hat für mich tatsächlich einen heilenden Effekt, dank dem sich meine Lebenseinstellung positiv verändert hat.»

Was ist Hula genau?

Die Tänzer erzählen zu den Liedtexten in traditionellem Hawaiisch eine Geschichte. Dazu nutzen sie ihre Hände, Körper, Mimik, Gesten und Bewegungen. Im alten Hawaii, als es noch keine Schriftsprache gab, spielten Hula und seine Gesänge eine wichtige Rolle, um Geschichte, Genealogie, Mythologie und Kultur am Leben zu erhalten. Durch Hula waren die einheimischen Hawaiianer mit ihrem Land und ihren Göttern verbunden, auch heute noch. Zu jedem Begriff gibt es eine eigene Bewegung, und jede einzelne Bewegung hat eine Bedeutung. Erst dadurch können die Geschichten der Lieder rund um Hawaii, die Liebe, das Leben, die Schönheit der Natur dargestellt werden. Vielen bekannt sein mag die Wellenbewegung mit der Hand. Sie bedeutet tatsächlich Welle.

Holly lernt Hawaiisch

All das lernt Holly in der Schule AlohaSpirit. Dort trifft man sie jede Woche während vier Stunden und einmal im Monat an einem fünfstündigen Workshop an. Vermittelt wird alles durch «Kumu» Noëlle Delaquis und zweimal im Jahr sogar durch «Kumu» Keala Ching. Ein berühmter Hula-Lehrer, der selbst auch Texte sowie Lieder schreibt und eigens für die Workshops aus Hawaii anreist. «Ich schätze mich enorm glücklich, eine solch professionelle und vor allem der Tradition verschriebene Schule besuchen zu können – und das in Zürich.»

Auch im Unterricht geht es um viel mehr als nur den Tanz. Damit Holly den Inhalt der Lieder und Gesänge richtig versteht, lernt sie auch die Sprache Hawaiisch sowie viel über die Geschichte und die kulturellen Gegebenheiten von Hawaii. «All das ist Grundlage, um den Tanz und die Geschichte perfekt darstellen zu können», erzählt Holly. «Denn nur wenn ich weiss, wovon ich singe, kann ich das auch mit den richtigen Bewegungen wiedergeben.»

Wie lernt man Hula?

«Hula lerne ich vor allem durch das Zuschauen und das Zuhören meiner Lehrerin, die ‹Kumu›, sowie dem Einfühlen in den Tanz und die Emotionen», sagt Holly. Dabei komme sie dem Leben ihrer «Kumu» ganz nahe und lerne von ihr, was es tatsächlich bedeutet, wenn Hula das Leben ist. «Erst jetzt, nach zwei Jahren, verstehe ich das Lernen des Lebens allmählich, baue es jeden Tag ein – und lerne so nach und nach auch Hula.»

Dabei befolgt sie strenge Regeln, Umgangsformen und Etiketten-Regeln, die ihre «Kumu» gemäss den hawaiischen Traditionen vermittelt. Vor jeder Unterrichtsstunde ziehe sie ihren Uniform-Rock an, stimme sich mental und körperlich ein und beginne dann zu singen. «In den Unterrichtsraum dürfen wir erst hineingehen, wenn unsere «Kumu» uns mit einem bestimmten Gesang antwortet – und das macht sie erst, wenn sie überzeugt ist, dass wir zu hundert Prozent bereit sind.» Nach der Stunde geht die Arbeit zu Hause weiter. Holly übt Songtexte, Melodien, die Sprache und die korrekten Bewegungen. Sie prägt sich die Begriffe auf Hawaiisch ein und zeichnet für jeden die passende Bewegung mit Strichmännchen auf ein Notizblatt. Mittlerweile beherrscht sie bereits rund 30 traditionelle und 15 moderne Tänze.

Kein Hollywood-Hula

«Hula bietet auch eine grosse Portion Spass», sagt Holly. Ihre 20-köpfige Tanzgruppe «Na Wai Ohi'a» trete regelmässig an privaten und öffentlichen Anlässen auf, wie auch am bekannten Anlass Zürich tanzt. «Dabei führen wir nicht etwa den Hollywood-Hula mit Kokosnuss-BH und Plastikblatt-Röcken auf», sagt Holly lachend. Im Gegenteil: Die Kostüme fertigen sie und ihre Tanzkolleginnen von Grund auf selbst an. Sie färben Stoffe, kreieren Muster und nutzen so viele natürliche Materialien wie möglich. Für jeden Anlass stellen sie den Pflanzenschmuck für Hände, Füsse, Hals und Kopf selbst her. Dieser wird aus dem hawaiischen «Ti-Leaf» und heimischen Holunderblättern gefertigt, die sie im Rahmen einer Zeremonie im Wald suchen (siehe Bildergalerie). «Wir sehen den Pflanzenschmuck als Geschenk der Natur an und bringen ihn nach unserem Auftritt auch wieder zurück, um unsere Dankbarkeit gegenüber der Natur auszudrücken», erklärt Holly. Die Verbundenheit mit der Natur hat sie dank ihrem neuen Leben mit Hula erst richtig schätzen gelernt. «Früher traf man mich so gut wie nie in der Natur oder dem Wald an.» Erst durch Hula hat sich ihre Einstellung geändert. Und heute möchte sie weder die Natur noch Hula missen.

Hier geht es zum Artikel der Zurich.

 

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